Mindestens acht Punkte trennen den Spitzenreiter VfB Oldenburg (9-2-0) bereits vom Rest der Liga. Das ist selbst unter Berücksichtigung des Nachholspiels des Zweiten aus Bremen ein recht gutes Polster. Auch am Wochenende, beim 3:1 gegen den FC Oberneuland, entledigte sich der VfB seiner Aufgabe auf sehr souveräne Weise. Die Klasse des Gastgebers war vor allem gut zu erkennen beim zwischenzeitlichen 1:2-Anschlusstreffer der Gäste – er wurde prompt mit dem Tor zum 3:1-Endstand beantwortet. Wenn es also überhaupt etwas gibt, dass nicht nach Plan läuft, dann sind es die Gegentore: Nachdem die Oldenburger vier Partien lang gar keinen Treffer kassiert hatten, durften sechs ihrer letzten sieben Gegner jeweils ein Tor erzielen.
Der Tabellenzweite SV Werder II (6-3-1) trennte sich zuletzt zweimal in Folge mit einem Unentschieden. Das war überhaupt kein Problem beim 0:0 gegen den VfB Oldenburg, unterstrich das Team von Konrad Fünfstück in dieser Partie doch eine Entwicklung. Das Hinspiel war schließlich mit einer 0:3-Niederlage beendet worden. Es war aber auch kein Problem beim späten 1:1 in Rehden am letzten Wochenende. „Kompliment, die Mannschaft hat bis zum Schluss gearbeitet und an sich geglaubt“, meinte der Trainer zufrieden. Beim SVW in Bremen steht eben immer noch die Ausbildung im Vordergrund. Und da Spiele wie in Rehden „zur Entwicklung dazugehören“, konnte Konrad Fünfstück gut leben mit der Punkteteilung. Ganz nebenbei: Angesichts eines Vorsprungs von neun Zählern auf Rang sechs stehen die Chancen auf den Einzug in die Meisterrunde ja auch in Bremen alles andere als schlecht.
Nach vier Siegen in Folge erwischte es Hannover 96 II (5-1-4) mal wieder am Wochenende. Aber vor dem 0:1 in Delmenhorst hatten diese vier Siege eben auch maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Talentschuppen etwas absetzen und den dritten Rang festigen konnte. Und auch bei 96 II geht es ja in erster Linie um die Entwicklung der überwiegend jungen Spieler. Für sie steht in den kommenden Wochen der Auftritt auf dem fremden Platz im Stundenplan: In Delmenhorst absolvierte die Mannschaft das erste von fünf Auswärtsspielen in Folge.
Langsam aber sicher vermag sich Atlas Delmenhorst (4-4-3) nun offenbar in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren. Zuletzt landete der Aufsteiger aus 2020 jedenfalls die wichtigen Siege gegen den FC Oberneuland (4:0) und Hannover 96 II (1:0). Die kleine Serie startete ausgerechnet nach einem 0:6 beim SV Werder II, die wiederum auf eine 0:1-Heimpleite gegen den HSC Hannover gefolgt war. Wird man also in ein paar Wochen sagen, dass ausgerechnet diese beiden Enttäuschungen den Weg zum Erfolg geebnet hatten? Möglich wäre es. In jeden Fall steht längst fest, dass Atlas über die nötige Qualität zur Teilnahme an der Meisterrunde verfügt. Tritt das Team nun konstant auf, sollte es wohl dabei sein.
Auch der VfV Borussia 06 Hildesheim (4-1-6) belegt als Fünfter derzeit einen Platz an der Sonne. Er ist nun allerdings bereits seit drei Spielen sieglos und gewann gerade einen Punkt in dieser Zeit. Dabei wurde auch beim 1:3 im Auswärtsspiel gegen den SSV Jeddeloh am Wochenende deutlich: Der VfV benötigt oft eine zu lange Anlaufzeit. Bereits nach 17 Minuten hatte der Gastgeber eine 2:0-Führung herausgeschossen, und diesen Rückstand vermochten die Hildesheimer nicht mehr zu egalisieren. Sie gerieten nun bereits mehrfach frühzeitig in Rückstand. Da half es wenig, dass das Team anschließend seine Qualitäten unter Beweis stellte. Die Voraussetzung für die Teilnahme an der Meisterrunde besteht wohl auch für den VfV in einer über 90 Minuten konstanten Leistung.
Natürlich war die Enttäuschung groß beim Tabellensechsten BSV Rehden (3-3-5). Erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit hatte der Gastgeber den Treffer zum 1:1 gegen den SV Werder II hinnehmen müssen – nachdem er eine 1:0-Führung zuvor rund 50 Minuten in Unterzahl verteidigt hatte. Es wurde also nichts aus der ganz großen Überraschung, die durchaus als Befreiungsschlag hätte herhalten können. Denn darum geht es wohl auch in Rehden: Starke Leistungen wechseln sich mit mäßigen Auftritten ab. Längst steht fest, dass der BSV zu richtig guten Spielen imstande ist. Längst ist aber auch klar, dass er sein Potenzial nicht regelmäßig abruft. Gelingt ihm dies in den kommenden Wochen, ist aber noch eine ganze Menge drin.
Der Tabellensiebte kommt von unten: Nach zwei Siegen aus den vergangenen drei Partien vermochte der SSV Jeddeloh (2-5-4) viel Boden gut zu machen. Mittlerweile verdichtet sich, was die Serie von fünf Unentschieden in Folge zwischenzeitlich schon vermuten ließ: Der SSV ist konkurrenzfähig, er musste nur den Bock umstoßen, benötigte offenbar ein Erfolgserlebnis. Nachdem dies beim ersten Saisonsieg beim FC Oberneuland vor rund zwei Wochen gelang, dürfte der erste Heimsieg, nämlich das 3:1 gegen Hildesheim am Wochenende, für weiteren Schub sorgen. Die Reise nach oben muss deshalb noch lange kein Ende haben.
Der HSC Hannover (3-2-6) ist punktgleich mit dem SSV Jeddeloh und liegt nur zwei Zähler hinter Platz fünf. Auch für den Achten ist also noch etwas drin, er wird die Teilnahme an der Meisterrunde noch nicht abgeschrieben haben. Allerdings wurde beim 0:1 in Lüneburg am Wochenende einmal mehr deutlich, wo der Schuh drückt: Der HSC steht ordentlich, könnte in der Offensive aber noch deutlich erfolgreicher sein. Gerade neun Treffer gelangen dem Team in elf Saisonspielen. Das dürfte zu wenig sein für den Sprung in die obere Tabellenhälfte. Andererseits wissen sie in Hannover natürlich genau, wo anzusetzen ist.
Das nennt man wohl ein Lebenszeichen: Nach neun sieglosen Spielen ließ der Lüneburger SK (2-4-5) am Wochenende ein 1:0 gegen den HSC Hannover folgen. Er nährt natürlich die Hoffnung auf einen positiven Saisonverlauf – und das wohl zu recht. Denn vor dem zweiten Saisonsieg hatte der LSK bereits mit einem 1:1 gegen den VfB Oldenburg überrascht. Der Blick auf die Tabelle zeigt zudem: Noch ist nichts verloren. Gerade drei Punkte trennen den Neunten aus Lüneburg vom fünften Rang der Staffel. Da kommt der sich andeutende Höhenflug dem LSK wohl gerade sehr gelegen.
Während der LSK zuletzt erfolgreich war, begab man sich beim FC Oberneuland (3-1-7) in die entgegengesetzte Richtung: Beim 1:3 in Oldenburg kassierten die Bremer nun bereits die vierte Niederlage in Serie. Dabei machte dem FCO die erwartete Pleite gegen den Spitzenreiter nur wenig aus. Die drei Nullnummern zuvor dagegen schon. Dabei war denn auch deutlich geworden, dass der Aufsteiger aus 2020 den ein oder anderen Ausfall nicht kompensieren kann. Nach ordentlichen Wochen kommen die aktuellen Personalprobleme zur Unzeit. Sie wirken sich offenbar besonders nachteilig auf die Offensive aus: Mit sieben Toren aus elf Spielen stellt der FC Oberneuland den schwächsten Angriff. Aber auch für das neue Schlusslicht gilt natürlich: Angesichts eines Rückstands von nur drei Punkten zur oberen Tabellenhälfte ist noch gar nichts verloren.
(Text: Stefan Freye)