Eine Meisterrunde auf Sparflamme: Gerade mal zwei Spiele konnten ausgetragen werden am letzten Wochenende. Die Partien Weiche Flensburg – Atlas Delmenhorst (Corona-Fälle in Delmenhorst), VfB Lübeck – SV Werder Bremen II (Länderspielabstellungen in Bremen) und Holstein Kiel II – VfV Hildesheim (Pokalansetzung in Hildesheim) mussten dagegen auf Mitte April verlegt werden.
Der VfB Oldenburg (24) führt die Liga weiterhin unangefochten an. Er ließ dem wichtigen 0:0 bei Weiche zum Start der Meisterrunde die Erfolge gegen Teutonia (3:0) und zuletzt HSV II (2:1) folgen. Dabei unterstrich auch der Sieg beim aktuell so formstarken Nachwuchsteam in Hamburg die Klasse des Spitzenreiters. Der VfB liegt nun mindestens sechs Punkte vor der direkten Konkurrenz, die am Wochenende überwiegend beschäftigungslos war und so ein Spiel weniger ausgetragen hat. Der Spitzenreiter ist deshalb wohl längst noch nicht sicher. Aber sicher erscheint zu diesem Zeitpunkt: Ohne die Oldenburger wird der Titel nicht vergeben.
Das Team von Holstein Kiel II (18) vergab beim 0:0 gegen Atlas Delmenhorst am vorletzten Spieltag zwar wichtige Punkte, vermochte den zweiten Tabellenplatz aber zu verteidigen. Der Kurs stimmt also nach wie vor. Nachdem die Kieler auf einen Lizenzantrag zur 3. Liga verzichtet haben, steht nun ja erst recht die Entwicklung der Mannschaft und ihrer jungen Spieler im Vordergrund. In dieser Hinsicht lässt sich sagen: Es läuft für Holstein II.
Der SV Werder II (17) galt vor dem Start der Meisterrunde als einer der härtesten Konkurrenten des VfB Oldenburg. Beim 1:2 gegen den HSV II am vorletzten Spieltag hatten die zuletzt spielfreien Bremer aber den Kürzeren gezogen. „Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften, wir haben heute leider den einen Fehler mehr gemacht als der Gegner“, meinte Trainer Konrad Fünfstück zur Niederlage. Er hält sein Team aber für „so intakt, dass uns die Niederlage auf keinen Fall umwirft“. Soll heißen: Der Tabellendritte will also dranbleiben. Ihm fehlen nach der Derby-Pleite aber drei wichtige Zähler.
Auch Weiche Flensburg (17) kam am letzten Wochenende nicht zum Zuge. Nach dem 0:0 gegen den VfB Oldenburg war dem Vierten beim 3:2 gegen Hannover 96 II aber immerhin der erste Sieg in dieser Meisterrunde gelungen. Wirklich souverän trat Weiche dabei vor allem in der ersten Hälfte nicht an. „Manchmal war es schon haarsträubend“, beschrieb Thomas Seeliger die Leistung seines Teams. Andererseits weiß der Trainer: Derzeit zählen nur die Punkte. „Es war ein dreckiger Sieg, doch Tore entscheiden nun mal“, so Seeliger.
Der Hamburger SV II (16) kam zum Einsatz am Wochenende, verlor aber ja mit 1:2 gegen den VfB Oldenburg – zum ersten Mal nach zuvor rund einem Dutzend ungeschlagener Spiele. Für schlechte Stimmung sorgte die Niederlage allerdings nicht. „Es war lange Zeit ein Duell auf Augenhöhe, wir haben einen großen Fight hingelegt, und unterm Strich hätte sich die Mannschaft den Punkt mehr als verdient“, meinte Trainer Pit Reimers. Sein Fazit: „Oldenburg ist Aufstiegsfavorit Nummer 1 und für mich die stärke Mannschaft der Liga. Umso schöner ist aber für uns, dass wir mithalten und auf Augenhöhe agieren können.“ Das Hamburger Nachwuchsteam dürfte auch in den kommenden Wochen zu den aussichtsreichen Kandidaten dieser Meisterrunde zählen.
Auch Teutonia 05 Ottensen (15) war im Einsatz am Wochenende, kam aber nur zu einem enttäuschenden 4:4 gegen das Schlusslicht Hannover 96 II. Damit wartet der Sechste auch nach dem dritten Meisterrundenspiel noch auf den ersten Sieg – so wird die Teutonia sicher nicht in die Spitze der Staffel klettern. Besonders auffällig: Zwar gelangen den Hamburgern sieben Treffer in diesen drei Partien. Sie kassierten aber auch zehn Tore gegen 96 II, den VfB Oldenburg (0:3) und Werder II (3:3). Mit 23 Gegentreffern stellt das Team die schlechteste Defensive nach dem VfV Hildesheim (24) – dort steht allerdings ein 1:8 gegen Werder II in der Bilanz. Der Weg zum Erfolg dürfte für die Teutonia also mit einer deutlich stabileren Defensive verbunden sein.
Das Team von Atlas Delmenhorst (13) war am Wochenende ohne Partie, und so verpasste der Siebte gleich mehrere Chancen: Nach den beiden torlosen Remis gegen den VfB Lübeck und Holstein Kiel II wartet Atlas noch auf den ersten Sieg und den ersten Treffer in dieser Meisterrunde. Allerdings kann sich die Bilanz aus diesen beiden Spielen durchaus sehen lassen: In Delmenhorst hatte man letztlich doch auf den Antrag zu einer Drittligalizenz verzichtet. Es reicht also vollkommen aus, wenn das Team eine ordentliche Rolle spielt – und das ist derzeit der Fall.
Der VfB Lübeck (9) trennte sich bislang ebenfalls ausschließlich unentschieden, nahm aus den Spielen gegen Atlas (0:0) und Hildesheim (1:1) aber immerhin einen eigenen Treffer mit. Für die Ansprüche des Achten dürfte das etwas zu wenig sein. Realistisch betrachtet wird der VfB mit der Vergabe des Titels nichts mehr zu tun haben. Andererseits: Hatten die Lübecker nicht bereits vor der Saison erklärt, dass nun ein langfristiger Aufbau nötig sei und sie als Drittligaabsteiger nicht automatisch zu den Favoriten zählen? Daran arbeitet der VfB nun offenbar mit Erfolg: Unlängst wurde der Vertrag mit Trainer Lukas Pfeiffer um ein weiteres Jahr verlängert. Sportvorstand Sebastian Harms: „Ich bin überzeugt davon, dass Lukas der richtige Trainer für den VfB ist und er mit der Mannschaft, die wir zur neuen Saison erkennbar verstärken werden, auch den nächsten Schritt in Richtung unseres gemeinsamen Ziels 3. Liga erfolgreich bewältigen kann.“
Auch der VfV Borussia 06 Hildesheim (8) wartet nach den Spielen beim Hamburger SV II (0:1) und gegen den VfB Lübeck (1:1) noch auf den ersten Sieg. Beim am letzten Wochenende beschäftigungslosen Neunten geht es angesichts des vorzeitigen Klassenerhalts aber in erster Linie darum, die Teilnahme an der Meisterrunde zu genießen – und sich auf den Kombacher- Niedersachsen-Pokal zu konzentrieren. Dort sollte am Wochenende eigentlich das Halbfinale gegen den SV Meppen ausgetragen werden. Es musste angesichts der Personalsorgen des Gegners allerdings verlegt werden.
Bei Hannover 96 II (6) kam das 4:4 gegen Teutonia ganz gut an. Schließlich gelang dem Team dabei der erste Punktgewinn, nachdem die Partien gegen Holstein II (1:2) und Weiche Flensburg (2:3) verloren gegangen waren. Das „Schlusslicht“ wird sich also auf die eigene Leistung konzentrieren, Punkt für Punkt sammeln und sich ansonsten ganz der Entwicklung seiner Talente widmen. Was soll einem Teilnehmer an der Meisterrunde auch schon passieren?
(Text: Stefan Freye)