Die Einordnung der letzten Partie fällt nicht gerade leicht: Beim 1:1 im Auswärtsspiel gegen den SV Werder II hatte der VfB Oldenburg eine schwere Anfangsphase zu überstehen. „Da können wir uns über ein 0:2 oder 0:3 nicht beschweren“, räumt Trainer Marco Elia ein. Weil dem Gegner allerdings nur ein Treffer durch Christian Groß (6.) gelang, blieb es spannend – und so waren die Gäste nach dem Ausgleich durch Kai-Bastian Evers‘ Foulelfmeter (51.) dem Siegtreffer in den Schlussminuten sogar näher als der favorisierte Gegner.
„Aber der 30. Minute haben wir das viel besser gemacht“, sagt Elia. Er gab sich also zufrieden mit dem Punktgewinn in Bremen. Insgesamt vier Zähler aus den vier Partien dieses Jahres gewann der Tabellenachte nun. Das ist eine ordentliche Ausbeute. Anlass zur Euphorie bietet sie nicht. Und Marco Elia, der seinen Blick eigentlich „grundsätzlich nicht nach unten“ richtet, weiß durchaus, was mit der aktuellen Situation verbunden ist: „Die Abstiegsränge kommen uns näher.“ Weil Mannschaften wie der BSV Rehden oder der TSV Havelse derzeit ziemlich erfolgreich sind, sollte sich sogar ein Team wie der VfB nicht zu sicher sein – selbst wenn der Vorsprung vorm regulären Relegationsrang 15 derzeit noch sechs Punkte beträgt.
Sie sind also gewarnt in Oldenburg. Aber das ändert natürlich nichts an der grundsätzlichen Aufgabe. „Wir wollen so viele Spiele wie möglich gewinnen“, betont Marco Elia wenig überraschend. In diesem Jahr gelang das nur einmal, beim 3:1 in Egestorf. Diese Partie hat dem Trainer natürlich besonders gut gefallen: „Wir haben das Spiel 60 Minuten lang kontrolliert.“ Aber auch ansonsten hat Elia derzeit nicht viel auszusetzen. „Wir machen das gut, aber es fehlt noch die Konstanz“, sagt der VfB-Coach.
Lediglich die 1:2-Pleite bei Hannover 96 II zum Jahresauftakt fiel angesichts einer schwachen Leistung aus dem Rahmen; die etwas überraschende 0:1-Heimniederlage gegen den BSV Rehden vor dem Spiel bei Werder II vermochte Marco Elia dagegen einzuordnen: „Der BSV macht das bockstark.“ Dabei war gegen das Kellerkind aus Rehden einmal mehr deutlich geworden, dass die Spielweise des VfB mit gewissen Risiken behaftet ist. Denn Elia hatte seinem Team nach dem Amtsantritt im vergangenen September (der 43-Jährige rückte vom Assistenten von Stefan Ehlers zum Chefcoach auf) eine offensivere Ausrichtung verordnet.
Der VfB Oldenburg presst nun relativ hoch, ist deshalb aber auch noch mehr davon abhängig, dass alle mitmachen. Dreht sich dagegen nur ein Rädchen im Getriebe nicht, besitzt der Gegner große Räume für sein Umschaltspiel – wie der BSV Rehden beim Gegentor im Marschweg-Stadion. „Danach stand der BSV tief, der Platz war schwer zu bespielen, und wir waren nicht bereit, mit langen Bällen zu agieren“, erinnert sich Elia. Er nimmt den Verzicht auf die simple Angriffsvariante auf seine Kappe. Aber darum geht es dem Trainer nun mal: Er möchte mit spielerischen Mitteln zum Erfolg kommen, egal, wie sich das Geschehen auf dem Rasen gerade darstellt.
Das wird honoriert. Zwar findet Marco Elia, dass die Ambitionen in Oldenburg wie bei allen Traditionsklubs manchmal ein wenig zu groß sind. „Die Leute denken an die guten alten Zeiten, aber wir tun alle gut daran, Demut walten zu lassen.“ Doch vor allem wir der offensive Stil kommt an. „Die Fans können sich mit unserer Spielweise identifizieren“, sagt der Trainer. Für ihn ist nun allerdings wichtig, dass seine Mannschaft noch ein bisschen mehr zusammenwächst. In spielerischer Hinsicht trennt den VfB nicht so viel vom Optimum, dort hat sich eine Menge getan in den vergangenen Monaten. Wirklich Luft nach oben besteht im Hinblick auf ein einheitliches Auftreten. „Das ist von entscheidender Bedeutung“, so Elia.
Gleich am Wochenende könnte das Team einen weiteren Schritt machen: Das Derby gegen den VfL Oldenburg am Sonntag (15 Uhr) wird vermutlich ja ganz entscheidend vom Teamwork beeinflusst werden. „Der Druck liegt bei uns“, sagt Marco Elia. Und wenn sie dem Druck gemeinschaftlich standhalten, könnte der zweite Sieg des Jahres gelingen – und dann klappt es danach vielleicht auch mit der Konstanz.
(Text: Stefan Freye)