Die Weltmeisterschaft in Brasilien beschäftigt derzeit die Fußballfans in aller Welt, und natürlich verfolgen auch die Experten des Norddeutschen Fußball-Verbandes den Wettbewerb mit großem Interesse. Grund genug für ein paar Fragen an Wilfried Heitmann, den Vorsitzenden des NFV-Schiedsrichterausschusses:
(Wilfried Heitmann, Vorsitzender des NFV-Schiedsrichterausschusses)
Mit welchen Augen verfolgen Sie die Weltmeisterschaft?
Ich gucke, wie ich immer Lehrarbeit betrieben habe: Wie werden die gültigen Maßstäbe umgesetzt.
Und?
Ich bin eigentlich ziemlich traurig wenn ich sehe, was an Fouls passiert und wie wenig die Richtlinien umgesetzt werden. Die Schiedsrichter sind zu großzügig. Es kann ja immer vorkommen, dass man ein Foul übersieht. Aber so eine Veranstaltung setzt Maßstäbe für die Zukunft und sie ist kein gutes Beispiel, gerade, was die persönlichen Strafen betrifft. Da werden Einladungen zu Fouls ausgesprochen. So kann Fußball in Zukunft nicht gespielt werden.
Vor allem das Foul an Neymar, das nicht mal eine Gelbe Karte nach sich zog, wurde ja heftig diskutiert. Ihre Meinung?
Ein solches Foul erfordert klipp und klar eine Rote Karte, da gibt es keine zwei Meinungen. Hier handelt es sich um brutales Fußballspiel, und das will keiner sehen.
Befürchten Sie nun einen Trend hin zu mehr Foulspielen?
Die Spieler neigen dazu, bewusst oder unbewusst, selbst anzuwenden, was sie gesehen haben. Hier
wurde uns ein Bärendienst erwiesen. Die Weltmeisterschaft wird uns das Leben nicht erleichtern.
Anderseits gibt es aber auch eine umfassende Kritik an den Maßstäben der WM-Schiedsrichter. Das kann doch auch den Fußballern in Deutschland nicht verborgen bleiben?
Da ist was dran, diese Hoffnung habe ich auch. Die Gesundheit der Spieler ist für die Schiedsrichter immer noch das höchste Gut. Wir haben sie zu schützen, und das werden wir auch in Zukunft tun. Letztlich hat die WM ja auch das Bewusstsein der Spieler geschärft, dass wir einen Fußball, der ihre Gesundheit gefährdet, nicht wollen.
(Das Interview führte Stefan Freye)