News

NFV-Präsident Günter Distelrath im Interview: "Die Eintracht wird nicht absteigen"

Zwischenbilanz nach 9-Monatiger Amtszeit

(Foto: Niedersächsischer Fußballverband e.V.)

Seit dem Juni 2018 steht Günter Distelrath neben seinem Amt als Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes auch an der Spitze des NFV. Der 69-Jährige hat sich also längst einen Überblick verschafft; spricht nun über die Aufgaben des Verbandes.


Herr Distelrath, Sie amtieren seit rund neun Monaten als Präsident des Norddeutschen Fußball-Verbandes. Wie ist es bislang gelaufen?

Günter Distelrath: Ich habe eine gut strukturierte Geschäftsstelle vorgefunden, und was bislang an Aufgaben da war, ist erfolgreich abgearbeitet worden. Wir sind nun dabei zu schauen, ob wir weitere Strukturen oder erweiterte Geschäftsfelder erschließen. Das Thema ist jetzt nahezu finalisiert, und so werden wir sicher im Frühjahr neue Felder belegen. Dazu gehört auch, dass wir die Leistungen des Verbandes viel offensiver darstellen. Wir wollen sagen: Was tun wir für unsere Vereine, in allen sechs Regionalligen des Norddeutschen Fußball-Verbandes. Und wir wollen das auch in den sozialen Kanälen bespielen. Dazu gehört auch die verstärkte Nutzung von Facebook, Twitter oder Instagram. Dafür sind zum Teil neue Strukturen notwendig.

Hat der Verband denn ein Imageproblem?

Das glaube ich nicht. Aber es wird zu wenig sichtbar, was der Verband leistet. Der Regionalverband nimmt eine wichtige Aufgabe wahr und sollte das auch nach außen zeigen.

Was verbirgt sich denn hinter der wichtigen Aufgabe?

Nun, zunächst einmal ist es wichtig, dass die Anliegen der norddeutschen Klubs im deutschen Fußball Gehör finden und auch berücksichtigt werden. Rein operativ verstehen wir uns als Dienstleister der Vereine, die auf Ebene des Regionalverbandes mit Mannschaften aktiv sind. Zudem ist es aber auch unsere Aufgabe, die Möglichkeiten im Gebiet des Norddeutschen Fußball-Verbandes weiter auszubauen, um es unseren Vereinen zu erleichtern, ihren Spielbetrieb und die dazugehörigen Aufgaben mit den jeweils vorhandenen vor allem ehrenamtlichen Strukturen aufrechterhalten bzw. durchführen zu können.

Sie sprachen einige Themenfelder an: Was zählt noch zu den zukünftigen Aufgaben?

Ein großes Feld und noch lange nicht zum Abschluss gebracht ist natürlich die Reform der Regionalligen und damit verbunden die Aufstiegsfrage in die 3. Liga.

Nun gibt es aber auch noch den Aufstieg in die Regionalliga Nord. Lange war aus Schleswig-Holstein zu hören, dass kein Verein für die Aufstiegsrunde der Oberligisten melden würde. Das wäre auch nicht neu, da zuletzt immer mal wieder nicht alle Plätze durch die Landesverbände besetzt wurden. Es trauen sich also offenbar nicht alle Vereine den Gang in die Regionalliga zu. Bereiten Ihnen diese Vorbehalte manchmal Sorgen?

Es ist natürlich immer sportlich reizvoll, in eine höhere Liga aufzusteigen. Aber man muss auch die Rahmenbedingungen gewährleisten können. Der Aufstieg ist das eine, die wirtschaftliche Seite das andere, ebenso die infrastrukturellen Voraussetzungen. Und dies gibt dem ein oder anderen Anlass zu Überlegungen: Wollen wir wirklich aufsteigen? Ich habe aber das Gefühl, dass unsere Regionalliga Nord wirtschaftlich gut geführt wird. Wir haben zwar Etats bis in den siebenstelligen Bereich und Etats im niedrigen sechsstelligen Bereich. Wir finden also eine heterogene Vereinslandschaft vor, in der aber stets verantwortungsbewusst gehandelt wird. Deshalb gab es in den letzten Jahren kaum Probleme. Das ist auch ein deutlicher Unterschied zu den anderen Regionalligen. Dort gibt es allerdings auch mehr Vereine, die eine Vergangenheit in der 1. oder 2. Liga haben. Dort ist die Erwartungshaltung eine ganz andere, und so unterscheidet sich auch die Risikobereitschaft. Insofern ist es zwar reizvoll, in die Regionalliga aufzusteigen. Aber es wird immer Vereine geben, die aus wirtschaftlichen Gründen Vorbehalte haben.

Lässt sich das nicht ändern?

Erst einmal nicht. Allerdings werden wir beim Bundestag im September über die Reform von Regionalligen und 3. Liga sicher auch zum gesamt strukturellen Aufbau kommen. Das ist eines meiner Grundthemen. Es geht um die Frage: Entspricht diese Struktur noch dem pyramidalen Aufbau und damit verbunden den sportlichen und wirtschaftlichen Erfordernissen der einzelnen Ligen?

Müssten sich also auch die Landesverbände bewegen? Müsste etwa Niedersachsen, dessen Präsident Sie ja auch sind, wieder eine gemeinsame Oberliga mit Bremen anstreben?

Ich kann und will hier nichts vorwegnehmen. Aber wir haben 14 Oberligen und fünf Regionalligen. Da wird eigentlich schon deutlich, dass ein Anlass besteht zur Frage: Stimmt der Aufbau insgesamt noch? Da werden wir dann alle Argumente, auch jene aus der Diskussion um die Reform von Regionalliga und 3. Liga, zusammentragen und würdigen müssen.

Es gibt seit einigen Monaten den NFV-Regionalliga-Ausschuss, also ein Gremium, das sich überwiegend aus Vertretern der Vereine zusammensetzt. Wie sind da eigentlich die Kompetenzen verteilt?

Die Verteilung der Kompetenz ist meines Erachtens gar nicht so entscheidend. Der Ausschuss wurde eingeführt, damit die Regionalliga eine Stimme im Präsidium hat. Im Ausschuss werden die Interessen gebündelt, man redet mit einer Stimme und kommt zu einem gemeinsamen Ergebnis. Dies ist unter anderen für die Vermarktung und Außendarstellung wichtig. Aber auch für Anregungen und Wünsche, die ans Präsidium herangetragen werden. Das finde ich gut, die Regionalliga Nord ist schließlich die wichtigste Spielklasse, das Aushängeschild des Regionalverbandes. Ich sehe deshalb eine sehr positive Entwicklung.

Negative Folgen werden dagegen erwartet, wenn Eintracht Braunschweig aus der 3. Liga in die Regionalliga Nord absteigen würde. Wie ginge der NFV damit um?

Ich gehe aktuell nicht davon aus, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen. Denn ich bin optimistisch, dass die Eintracht nicht absteigen wird. Aber ich möchte der Frage auch nicht ausweichen: Natürlich müssten wir uns dann darauf einstellen, dass wir im NFV eine finanzielle Einbuße hätten, weil die Abgabe in der Regionalliga sich nicht mehr an den Zuschauerzahlen – wie in der 3. Liga – orientiert, sondern pauschal 250 € pro Heimspiel. Hinzu kommt, dass das Thema „Sicherheit“ bestimmt eine größere Rolle spielen wird. Aber nochmal: Die Eintracht wird nicht absteigen.

 

(Das Interview führte Stefan Freye)

 

Folgen und mehr erfahren:
NordFV bei Facebook NordFV bei Instagram NordFV bei YouTube NordFV Live