Optimal vorbereitet und fit, wenn es darauf ankommt! Qualifizierte und sportartbezogene Präventionsmaßnahmen sind die zentrale Investition in die zukünftige Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler. Dies war die Botschaft der Referenten aus dem Spitzensport an die annähernd 150 Teilnehmer des dritten Präventionssymposiums Fußball, dass am 27. Februar 2016 in den Räumlichkeiten der HDI-Arena des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 stattfand.
Nach der offiziellen Eröffnung durch die Ausrichter (vertreten durch Eugen Gehlenborg/Präsident des NFV, Dr. Hubert Erhardt/Geschäftsführer des med. Partners BG Klinikum Hamburg und Maureen Podiwin/VBG) referierten zwölf Dozenten aus unterschiedlichen Fachbereichen über die vielfältigen Aspekte rund um die Themen „Verletzungen und Prävention im Sport“ am Beispiel „Fußball“.
„Wissen in Theorie und Praxis zu vermitteln und über die Auslinie des Fußballfeldes hinaus zu schauen“, ist dem Veranstalter Prof. Dr. Partenheimer, besonders wichtig. „Wir wollen den Wissenstransfer aus anderen Sportarten fördern, um dadurch allen Teilnehmern ein breites Spektrum näher zu bringen“, so der Mannschaftsarzt von Hannover 96 über die Ziele des Symposiums.
Christian Klein (VBG-Präventionsexperte und Sportwissenschaftler) stellte das Prämienverfahren der VBG vor, womit die VBG einen finanziellen Anreiz schaffen möchte, Sportunfälle und sportbedingte Gesundheitsgefahren weiter zu reduzieren. Belohnt werden hierbei Vereine und Sportunternehmen, die sich über die rechtlichen Vorgaben hinaus für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Sportlerinnen und Sportler einsetzen und in unfallverhütende und gesundheitserhaltende Maßnahmen investieren. VBG-Präventionsexperte und Sportwissenschaftler Hendrik Bloch stellte in Hannover die richtige Ausrüstung und Spielfeldbeschaffenheit für wirksame Prävention im Fußball vor. Ein weiterer Teil der Kampagne bildet hierbei die Safety League, bei der die VBG die smartesten Fußballmannschaften Deutschlands sucht.
Vor dem Hintergrund, dass das Verletzungsrisiko bei sportlicher Betätigung in Mannschaftssportarten mit Gegnerkontakt dazu gehört, wurde auch das Thema „Bone Bruise“ (Mikrofrakturen, die nur mit diagnostischem Aufwand festgestellt werden und bei falscher Behandlung auch das Karriereende bedeuten können) vom Dr. Ralf Oheim vorgestellt. Dr. Matthias Gebhardt (Teamarzt des Profi-Radteams Dimension Data for Qhubeka) transferierte die Regenerations-, Leistungs- und Heilungsprozesse aus dem Ausdauersport in den Sektor Fußball.
Erstmalig wurden auch praktische Angebote in das Programm eingebaut. Neben einer Basic-Taping-Einführung durch Ben Griell bot Ingo Geisler, ehemaliger Fitnesscoach von Hannover 96, einen schweißtreibenden Trainingsworkshop zum funktionellen Gruppentraining an.
Nach einer gemeinsamen Stärkung zum Mittag ging es mit dem Thema „Wahrneh-mung und visuelle Leistung beim Fußball“ weiter. Dr. Gernot Jendrusch (Ruhr-Universität Bochum) verdeutlichte anhand seiner eigenen Forschungsergebnisse, dass gut 20% aller Profifußballer eine Fehlsichtigkeit aufweisen. Vor diesem Hintergrund appellierte Jendrusch für höherwertige Sehtests des DFB im Rahmen der medizinischen Standard-Checkups vor Saisonbeginn.
Der Sportmediziner Prof. Dr. Elmar Wienecke referierte über den Nutzen von Kompressionskleidung im Sport. Diese ist demnach nicht nur eine Möglichkeit der Leistungsoptimierung, sondern ihr kommt vor dem Hintergrund immer höher werdenden, sportlichen Belastungen (Trainingsumfänge und -intensitäten) eine zentrale Bedeutung in Bezug auf die Regeneration zu.
Unter den Referenten war auch Christopher Nordmeyer, der als ehemaliger Handball-Bundesligatrainer das Augenmerk auf die mentale Vorbereitung im Mann-schaftssportarten richtete und einen vertieften Einblick zu den erfolgsbestimmenden Persönlichkeitsprofilen innerhalb eines Teams geben konnte.
Gerrit Keferstein (Performance Director/Allout Performance Training) verdeutlichte die Wichtigkeit von ausreichendem und ungestörtem Schlaf als Schlüsselregenerationsprozess eines jeden Sportlers (drei Strategien hierzu: optimales Einschlafen/Durschlafen/Aufstehen). Im Hinblick auf Sportverletzungen sei die Schlafphase laut Keferstein entscheidend für die physische Regeneration, da Wachstums-, Schlafhormone und Testosteron nachts ihre höchsten Konzentrationen aufweisen.
Dominik Suslik (Athletiktrainer U19-Junioren Hannover 96) sprach über die Notwendigkeit der individuellen Betrachtung des Athleten in Bezug auf die Gesamtbelastung und -beanspruchung des Einzelnen. So sei speziell im Jugendalter die individuelle Förderung vor dem Mannschaftserfolg zu stellen, Ausbildungsziele und -Schwerpunkte müssten konsequent am biologischen und psychischen Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet werden. Hierbei sei neben der Konzeptionierung von Trainingsplänen besonders der Aspekt des subjektiven Empfindens und Selbst-Wahrnehmens des Sportlers nicht außer Acht zu lassen.
Wie in den vergangenen Jahren wurde auch bei diesem Symposium viel Wert darauf gelegt, leicht umsetzbare Wege aufzuzeigen, die nachhaltig zur Vorbeugung von Sportverletzungen und der idealen Vorbereitung auf den Wettkampf beitragen können. Unter dem Motto „Erfahrungen aus dem Profisport für jedermann zugänglich machen“ wurden viele wertvolle Tipps und Tricks weitergegeben.
Die medizinischen als auch sportpraktischen Themen wurden unter dem Aspekt der Umsetzbarkeit in der täglichen Vereinsarbeit angesprochen. Dass diesen Wissenstransfer nicht nur die Stammgäste der Veranstaltung für das eigene Training schätzen, zeigte auch das rege Interesse vieler neuer Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet. Die Ausrichter des Symposiums hielten fest, dass die Verletzungsprävention in den Vereinen mittlerweile zu einem bedeutenden Thema aufgestiegen sei, dennoch gäbe es noch viele Hürden zu nehmen.
Das nächste Symposium ist für das Frühjahr 2017 geplant.
(Text: BG Klinikum Hamburg)