Dabei ist nicht einmal die Tabellenführung der Eintracht Braunschweig eine große Überraschung. Die Niedersachsen, Elfter des Vorjahres, treten mit einer verhältnismäßig erfahrenen Mannschaft an. Ihnen gelang beim 8:1 über Schlusslicht Eichede auch der höchste Erfolg. Kein Wunder, dass die kleine Eintracht (10 Punkte) mit 17 erzielten Toren derzeit auch die Torfabrik darstellt.
Bereits beim Zweiten wird es ein bisschen kurios: Auf den HSC Hannover hätte wohl niemand als Aspiranten für einen Spitzenplatz gesetzt. Vor allem deshalb nicht, da der Hannoversche Sport Club von 1893 nicht unbedingt vom Spielplan verwöhnt wurde. Zwar landete auch der Aufsteiger einen Sieg über Eichede. Das Team von Trainer Frank Kittel bezwang daneben jedoch den Hamburger SV II (5:0) und Hannover 96 II (2:0).
Den Niedersachsen auf den Fersen ist der FC Oberneuland, der zweite Aufsteiger unter den ersten drei Teams. Nach dem 3:2-Sieg über Eichede war man sich noch nicht ganz sicher in Bremen. Doch da nun auch der VfB Lübeck (2:1) und Nettelnburg-Allermöhe (3:1) gegen den FCO verloren, scheint sich eine Richtung anzudeuten, die nichts mit dem Abstiegskampf zu tun hat. „Ich sehe uns irgendwo in der Mitte“, sagt FCO-Coach Jürgen Brandt, und das ist – ebenso wie für den HSC – eine ziemlich gute Prognose für einen Neuling.
Ab Platz vier folgen einige Mannschaften, deren Start in Ordnung war, aber noch keine genauen Rückschlüsse auf die kommenden Monate zulässt. Der VfL Wolfsburg II (8 Punkte), SC Concordia Hamburg (7), Titelverteidiger Werder Bremen II (7) und der FC St. Pauli II (7) haben sich aber eine gute Ausgangsposition erarbeitet und den Anschluss an die Spitze gehalten. Dass sich auffällig viele Teams aus den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten unter diesen Teams befinden, war erwartet worden. Die „zweiten Mannschaften“ treten mit sehr jungen Spielern an, die sich oft erst im Verlauf der Saison auf die neue Liga einstellen.
Der VfB Oldenburg (6 Punkte) hat im Gegensatz zu den Mannschaften über ihm erst drei Saisonspiele absolviert, könnte also mit einem Nachholspiel in die Spitzengruppe vorstoßen. Bislang mussten die Niedersachsen sich nur im Heimspiel gegen den FC St. Pauli geschlagen geben (2:3); gegen Concordia (3:2) landete der VfB einen Sieg auf eigenem Platz, und auch in Eichede (3:0) gab es einen Dreier.
Mit dem SV Nettelnburg-Allermöhe (4 Punkte) beginnen all jene Teams, die sich zunächst nach unten orientieren werden. Der Aufsteiger lieferte beim 6:4-Heimerfolg gegen den HSV aber immerhin das torreichste Spiel der noch jungen Saison ab.
Für den Hamburger SV II (4) und Hannover 96 II (3) gilt wohl ebenfalls, was den zweiten Teams regelmäßig den Start verleidet: Ihre gerade erst aus der C-Jugend aufgestiegenen Kicker müssen sich erst gewöhnen an Gegenspieler, die fast zwei Jahre älter sein können. Das kennt man, und deshalb wird man auch nicht in Hektik verfallen.
Ein gutes Mittel sind hektische Reaktionen ja ohnehin nicht. Auch für den SC Weyhe, dem Zehnten des Vorjahres, ist trotz des einen Punktes aus vier Partien noch einiges drin, und auch beim VfB Lübeck und dem Schlusslicht SV Eichede werden erst die kommenden Monate zeigen, wohin es tatsächlich geht. Die Lübecker haben mit dem FCO, Concordia und Titelverteidiger Werder II ohnehin ein paar der derzeit schwereren Gegner vor der Brust gehabt. Der SV Eichede „punktet“ dagegen in der Fairnesstabelle: Eine Gelbe Karte in vier Spielen führen den Aufsteiger auf den Spitzenplatz dieser wichtigen Wertung.
(Text: Stefan Freye (sfy))