Neu ist der FC Bergedorf 85 nicht in der Spitzengruppe der Regionalliga Nord der Frauen. Bevor die Hamburgerinnen im vergangenen Jahr die Vizemeisterschaft gewannen, belegten sie die Plätze fünf (2012/2013), zwei (2011/2012) und sechs (2010/2011). Aber so gut wie in dieser Saison lief es bislang noch nicht. Nach vier Siegen aus vier Partien rangiert das Team von Bernd Helbing-Saß an der Spitze der Liga, mit 13:0 Toren.
„Eine klasse Abwehr mit einer guten Torhüterin hatte Bergedorf immer, aber nun wurde die Mannschaft auch in der Offensive verstärkt“, erklärt der Trainer den tollen Saisonstart. Mit Laura Vetter (Ahlerstedt/Ottendorf) und Fabienne Stejskal (Immenbeck, 5 Treffer) wechselten gleich zwei gefährliche Stürmerinnen in sein Team. „Sie machen viel Wind da vorne“, sagt Helbing-Saß zufrieden. Weil er zudem mit Mareike Meyer (4 Treffer) eine weitere Torjägerin besitzt, geht die Bergedofer Post ab bei Ballbesitz.
Aber Bernd Helbing-Saß hat eine eigene Philosophie, und deshalb gibt sich sein Team auch ohne Spielgerät „stürmisch“. „Ich verteidige ungern das Tor, wir pressen deshalb und greifen mit oder ohne Ball an“, sagt der Bergedorfer Coach. In den Partien gegen den TSV Limmer (6:0), ESV Fortuna Celle (2:0), den TSV Havelse (2:0) und zuletzt TuRa Meldorf (3:0) ging das Konzept auf. Zumal dank Rückkehrerin Michelle Pfeifer (1. FC Köln) die Defensive noch ein bisschen stabiler wurde.
„Ich habe großes Vertrauen in diese Mannschaft, aber dass es so gut läuft, hatte ich nicht erwartet“, sagt Helbing-Saß und erinnert sich an die erste Partie. Gegen Limmer wurde das Team nämlich zu Beginn sehr unter Druck gesetzt, und deshalb „hätte es auch anders laufen können“. Nun wollen sie in Bergedorf aber am Erfolg festhalten. Nein, der Aufstieg in die 2. Bundesliga sei keine Pflicht. „Aber die Mädels wollen“, betont der Trainer – und er möchte auch.
Unterm Strich wollten aber „vier, fünf Mannschaften“ den Titel gewinnen, weiß Helbing-Saß. Konkurrenten wie der aktuelle Dritte aus Celle („Sie haben uns alles abverlangt“) und der TSV Limmer, derzeit Achter, zählt er zu den positiven Erscheinungen des Saisonstarts. Den Bramfelder SV bezeichnet der Coach des Spitzenreiters sogar als „Super-Überraschung“. Noch ungeschlagen rangiert der Aufsteiger gerade zwei Punkte hinter Bergedorf auf Rang zwei – eine reife Leistung für einen Aufsteiger.
Mit dem Bramfelder SV verbindet Bernd Helbing-Saß allerdings nicht nur eine Menge Erstaunen, sondern auch seine Anfänge als Trainer. Er startete nämlich als Übungsleiter für Kinder und Jugendliche des Vereins. Über die B-Jugend des SC Vier- und Marschlande, die Herren in Börnsen (Co-Trainer) sowie Altengamme kam Bernd Helbing-Saß nach Boizenburg, wo er ebenfalls das Herrenteam betreute. Nach einer kurzen Pause trat er schließlich im Sommer seinen Posten in Bergedorf an.
„Ich musste mich erst an die Arbeit mit Frauen gewöhnen“, gibt der Trainer zu. Es sieht ganz so aus, als sei ihm dies ziemlich schnell gelungen.
(Text: Stefan Freye)