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Regionalliga Nord der Herren 2014/2015: Nachgefragt bei Auwi Winsmann

Zulassungsverfahren zur Saison 2015/2016 fast abgeschlossen

(Foto: hansepixx.de)

Das Zulassungsverfahren in der Regionalliga Nord der Herren für die kommende Spielzeit ist fast abgeschlossen. Am Montag, 04.05.2015 tagt die NFV-Zulassungskommission und die begehrten Tickets für die Saison 2015/2016, was den technisch-organisatorischen und wirtschaftlichen Teil angeht, werden vergeben. In den nächsten Wochen steht dann nur noch das sportliche Abschneiden im Vordergrund. Vier Spieltage sind in der laufenden Saison noch zu gehen, danach folgt die für die einen unliebsame, für die anderen begehrte Relegationsrunde. Erst am 6. Juni ist sicher, aus welchen 18 Vereinen sich die neue Regionalliga Nord zusammensetzen wird.

Ein Bestandteil des Zulassungsverfahrens ist die Abnahme der Spielstätten der Vereine. Warum das überhaupt sein muss und wie diese abläuft, erklärt der Vorsitzende der NFV-Sicherheitskommission, August-Wilhelm Winsmann im Gespräch:

Auwi, schildere doch einmal in ein paar Sätzen, wie so eine Stadionabnahme im Einzelnen abläuft? Was gilt es dabei im Wesentlichen zu beachten?


Wenn absehbar ist, dass ein sportlicher Aufstieg in die Regionalliga Nord möglich erscheint, melden sich in der Regel die betreffenden Vereine im vor der jeweiligen Saison liegenden Frühjahr bei mir und es wird ein Ortstermin vereinbart.

An dem dann folgenden Treffen der Platz- bzw. Stadionbesichtigung nehmen außer mir als Vertreter des NFV die Verantwortlichen des Vereins, der Eigentümer der Anlage (in der Regel die Kommune), der örtlich zuständige Einsatzleiter der Polizei und ggf. noch Vertreter des Rettungsdienstes und der Feuerwehr teil.
Anhand einer Checkliste, in der die wesentlichen Voraussetzungen sowohl baulicher, als auch organisatorisch-technischer Art vorgegeben sind, werden die tatsächlichen Voraussetzungen vor Ort überprüft.

Die wohl wichtigste Voraussetzung dabei ist, die Zuschauer (Heim- und Gästefans) möglichst schon bei der Anreise und Zuwegung zur Stadionanlage zu trennen und dann im Stadion selbst möglichst weit voneinander zu platzieren bzw. ihnen entsprechende Sitz- bzw. Stehplatzbereiche zuzuweisen. Vor dem Hintergrund dieses Erfordernisses werden die tatsächlichen Möglichkeiten vor Ort erörtert, diskutiert und einer möglichst einvernehmlichen Lösung zugeführt, die den Sicherheitsrichtlinien auch entspricht.


Wie fällt Dein Fazit zu den Stadionabnahmen im Rahmen des Zulassungsverfahrens für die kommende Spielzeit 2015/2016 aus? Erfüllt der Großteil der Vereine die zu erfüllenden Auflagen oder gibt es zwischen den sich um die Lizenz bewerbenden Vereinen große Diskrepanzen?


Zur kommenden Saison habe ich alle Sportanlagen der potentiellen Aufsteiger, d.h. alle der Vereine besucht, die sich aus sportlicher Sicht Hoffnungen aus den jeweiligen Landesverbänden machen, in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord an den Punktspielen teilzunehmen. Das sind sowohl Vereine aus Niedersachsen, als auch aus Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

In der Tat gibt es hinsichtlich der Voraussetzungen, die im Übrigen ihre gesetzliche Grundlage in den verbrieften Sicherheitsrichtlinien des NFV finden, große Unterschiede. Bei Mannschaften, bspw. Victoria Hamburg, die schon in der Regionalliga Nord gespielt haben und dabei in den Vorjahren schon bereits die Voraussetzungen erfüllt haben, sind in der Regel die baulichen Voraussetzungen bereits erfolgreich geschaffen worden und lediglich noch die organisatorisch- technischen Voraussetzungen zu prüfen.

Andere Vereine, die sich erstmalig um den Aufstieg bemühen, erfüllen in der Regel (noch) nicht die baulichen Voraussetzungen. Diese sind dann zunächst noch zeitgerecht bis zum Saisonbeginn 2015/2016 zu installieren bzw. die Sportanlage baulich so zu gestalten, dass sie den Erfordernissen der Sicherheitsrichtlinien entsprechen.

Ich sehe mich dabei in erster Linie als Dienst- und Serviceleister des Verbandes, der als Berater an den Ortsterminen teilnimmt und den Vereinen entsprechende Möglichkeiten aufzeigt, um einerseits den erforderlichen Mindeststandards der Sicherheit zu entsprechen, die Vereine/Kommunen andererseits aber auch nicht finanziell überfordert.
Nach dieser Begutachtung gebe ich den Vereinen dann die Chance, zunächst die sportliche Qualifikation abzuwarten und im Falle des erfolgreichen Aufstiegs sofort mit den aufgezeigten baulichen Maßnahmen zu beginnen, um rechtzeitig fertig zu werden.

Diese Vorgehensweise hat sich in der Vergangenheit ausgesprochen bewährt und ich bin sicher, dass alle Vereine, die ich besucht und denen ich jeweils dezidiert aufgezeigt habe, was nach einer sportlichen Qualifikation noch zu erledigen ist, diese es auch zeitgerecht schaffen.


Warum sind in der Regionalliga überhaupt Stadionabnahmen nötig? Wer führt diese Abnahmen durch? Bist Du im Vorfeld einer neuen Saison jedes Wochenende alleine unterwegs oder gibt es eine Kommission, die dafür zuständig ist?


Die Erfahrungen zum Thema Sicherheit auf Fußballplätzen – insbesondere der letzten zehn Jahre – haben deutlich gemacht, dass – aufsteigend in den Spielklassen – aufgrund des in diesem Zusammenhang stehenden „Mehr“ an Zuschaueraufkommens und leider auch des teilweise ungebührlichen Verhaltens der Fans, Sicherheitsvoraussetzungen geschaffen werden müssen, um Ausschreitungen und unliebsamen Vorgehensweisen von Beteiligten entschieden entgegengetreten werden muss. Daher sind auch bauliche Maßnahmen zum Schutz aller Beteiligten – abgestuft „abgeschwächt“ von den Bundesligen – herunter über die Regionalligen bis in die darunter liegenden Staffeln nötig.

Als Verantwortlicher der Sicherheitskommission des Norddeutschen Fußball-Verbandes führe ich diese Abnahmen persönlich durch. Dabei binde ich aber jeweils auch meine Mitarbeiter aus der Sicherheitskommission des NFV aus dem jeweiligen Landesverband, des Vereins, den es zu begutachten gibt, mit ein.
Bei den Stadionbegehungen kommt mir dabei meine gesammelte Erfahrung aus regelmäßigen Sitzungen der DFB-Sicherheitskommission, in der ich auch Mitglied bin, zu Gute. Dort findet ein regelmäßiger Austausch – auch mit den Verantwortlichen der anderen Regionalligen – statt.


Wie lange dauert solch eine Stadionabnahme ca. (zeitlicher Aufwand)? Vorplanung, Durchführung, Abschlussprotokoll oder wie hat man sich das vorzustellen?


Die eigentliche Begutachtung vor Ort dauert etwa 2 bis 2 ½ Stunden. Die Vorbereitung beginnt schon mehrere Wochen davor mit der Terminabsprache und Einholen von Vorabinformationen für mich über den Verein und die Spielstätte. Anschließend, nach der Begehung findet die schriftliche Nachbereitung in Form eines ausführlichen Protokolls statt. Dieses Protokoll mit allen Einzelheiten, insbesondere den Auflagen und Hinweise, die unter Umständen noch zu erfüllen sind, bekommen dann alle Besprechungsteilnehmer und insbesondere der NFV und da speziell auch die Zulassungskommission, die letztlich über die Zulassung entscheidet.


Was passiert, wenn ein Verein die Stadionabnahme nicht besteht/die geforderten Kriterien nicht erfüllt? Hat der Verein dann noch Zeit nachzubessern oder ist das Urteil endgültig?


Der jeweilige Verein bekommt regelmäßig von mir dezidiert die erforderlichen Maßnahmen aufgezeigt. Wenn bei der Endabnahme noch Unzulänglichkeiten bestehen sollten, muss im Einzelfall geprüft werden, ob noch zeitgerecht eine Besserung herbeigeführt werden kann. Dieses ist vom Einzelfall abhängig und nach der Frage, wieviel Zeit noch bis zum ersten Heimspiel verbleibt.
Im Extremfall kann dann das erste Punktspiel nicht auf der Anlage stattfinden bzw. so lange nicht, bis die Mängel behoben wurden. Im Übrigen können Vorkommnisse auch innerhalb der Spielsaison auftreten, aufgrund dessen ich notwendig gewordene „Nacharbeiten“ fordern muss und kann, die dann in der Regel auch einvernehmlich behoben werden. Dazu gibt es aus der Vergangenheit auch einige Beispiele.

Für wie wichtig erachtest Du die Durchführung einer solchen Stadionabnahme bei den (möglichen) Vereinen der Regionalliga Nord?


Damit ein Höchstmaß an Sicherheit garantiert werden kann, bedarf es standardisierter Maßnahmen, deren Einhaltung zur Sicherheit auch schöne Fußballevents mit tollen Spielen ermöglichen. Zur verbindlichen Einhaltung dieser Einheitlichkeit des Sicherheitsniveaus bedarf es dieser Stadionabnahmen unter einem Kopf bzw. Gesamtverantwortlichkeit. Das halte ich für äußerst wichtig und stelle mich dieser Verantwortung. Nicht zuletzt lerne ich alle Verantwortlichen der Vereine, Kommunen, Polizei etc. auf diese Art und Weise kennen und schätzen.
Diese sehr persönlichen Bekanntschaften halte ich für ein gedeihliches Zusammenwirken aller Beteiligten für äußerst wichtig und entspricht meiner Philosophie von sportlich-kameradschaftlicher Zusammenarbeit und einem fairen Umgang miteinander.


Auwi, wir danken Dir für das Gespräch.

 

Im Rahmen von drei Stadionabnahmen in Schleswig-Holstein im Hinblick auf die Regionalligatauglichkeit der Stadien der Eutiner SpVg. 08, des TSV Schilksee und der Werner-Stadion-Anlage des ETSV Weiche Flensburg, gab es für Auwi Winsmann eine überraschende Begegnung. Er traf auf den Ehrenspielführer der Deutschen Fußball Nationalmannschaft, Uwe Seeler.
Winsmann konnte die großartige Aufgeschlossenheit von Uwe Seeler schätzen lernen und freute sich über ein langes Gespräch mit ihm, in dem er sicher auch einige Anekdoten und Einschätzungen zur Lage des HSV von „Uns Uwe“ erfahren konnte.

 

(Interview: NFV - Foto: privat)

 

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