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Rigo Gooßen erklärt das "Wunder von Drochtersen"

"Wir haben uns Respekt verschafft"

(Foto: hansepixx.de)

Das war ein Paukenschlag: Mit dem 1:0-Heimerfolg über den VfL Wolfsburg II beendete die SpVgg Drochtersen/Assel am Freitag eine 22 Spiele währende Erfolgsserie des Spitzenreiters. „Das war eine der besten Saisonleistungen“, kommentierte SpVgg-Präsident Rico Gooßen die Überraschung.

Aber war es tatsächlich eine Überraschung? Ist das Team von Trainer Lars Uder nicht gerade dafür bekannt, dass es in großen Spielen zu großen Leistungen fähig ist? Rico Gooßen hat einige Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Er weiß: „Es ist kein Geheimnis, dass die Mannschaft besonders motiviert ist, wenn sie nicht als Favorit antritt.“ Das mussten bereits mehrere Vereine feststellen, auch aus der Bundesliga. Vor gut zwei Jahren mühte sich etwa Borussia Mönchengladbach zu einem knappen 1:0 in der ersten Pokalrunde, und im Wettbewerb dieser Saison gewann sogar der FC Bayern nur mit 1:0 im Kehdinger Stadion. Zudem zog die SpVgg Drochtersen/Assel erst im Oktober nach einem 5:4 n.E. gegen den Drittligisten Eintracht Braunschweig ins Halbfinale des Krombacher Niedersachsenpokals ein.

Dabei läuft es derzeit nicht einmal wie gewünscht. Gleich drei Kreuzbandrisse sind zu beklagen. „Wir greifen nicht auf die Mannschaft zurück, die eigentlich spielen könnte“, sagt Rico Gooßen. Aber so ist das eben in Drochtersen: Rückschläge werden hingenommen und auf eine ganz eigene Weise verarbeitet. Dabei geht der Klub sehr offen mit seinem Image um. „Wir stehen zu dem Credo eines Dorfvereins“, betont der Präsident. Gemeinsam gegen den Rest der – ungleich größeren – Welt. Auf diese Weise trotzt die Spielvereinigung den Widrigkeiten. Dabei liegt die Betonung immer auf der Gemeinschaft. „Unsere Spieler müssen sich mit dem Verein identifizieren und die blau-roten Gene in sich tragen“, sagt Rico Gooßen. Die Lust an der Überraschung und die Freude, als Tabellenvierter im Konzert der Großen mitzumischen, sind der Lohn aller Bemühungen.

Die Spielergehälter spielen dagegen eine untergeordnete Rolle: Bei der SpVgg Drochtersen/Assel treten Amateure an, denn alle Kicker gehen noch einer eigentlichen Arbeitstätigkeit nach. Deshalb wird auch nur viermal in der Woche trainiert, jeweils am Abend. Der Trainer macht da keine Ausnahme, ist er doch an einer Schule in Otterndorf tätig. Dabei war Lars Uder auch so ein Glücksfall. Nach dem Abschied des langjährigen Übungseiters Enrico Maaßen in Richtung Rödinghausen gab es zwar zahlreiche Bewerbungen. Es musste aber erst einmal ein Trainer gefunden werden, der die Philosophie mitträgt. Einer wie Lars Uder, der zuvor in Trier tätig gewesen war.

„Er leistet gute Arbeit, aber die Mannschaft macht es ihm auch leicht“, sagt Rico Gooßen. Schließlich ist das Team seit Jahren mit einem festen Stamm versehen, zählt die Fluktuation ganz sicher nicht zu den stetigen Begleitern der Spielvereinigung. Der sportliche Erfolg dagegen schon: Nach dem Aufstieg 2015 belegte die Mannschaft die Plätze vier, neun und zwölf, hielt sich also immer raus aus dem Abstiegskampf. Das ist eine gute Leistung. Nun also Platz vier, verbunden mit der Frage: Geht noch mehr? Ist die SpVgg Drochtersen/Assel irgendwann einmal ein Kandidat für den Gang in die 3. Liga?

„Unsere Infrastruktur ist darauf gar nicht ausgelegt“, sagt Rico Gooßen. Allein das Kehdinger Stadion wäre überfordert mit den Anforderungen der nächsthöheren Spielklasse. „Und ein finanzieller Kraftakt wäre auch mit einem Aufstieg verbunden“, so der Präsident. Es gibt ja auch so viele gute Gründe für die Spielvereinigung, nicht nach Höherem zu streben. Das macht die aktuelle Situation gerade sehr deutlich. Gooßen: „Wir haben uns Respekt verschafft, und es ist wertvoll, zum ersten Drittel der Regionalliga zu zählen.“

 

(Text: Stefan Freye)

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