„Die Ligen“ hat sich längst einen Namen als Dienstleister zur Analyse von Fußballspielen gemacht. Das Unternehmen erhebt dazu zahlreiche Daten, bringt diese in einen Zusammenhang und ordnet sie ein. In regelmäßigen Abständen werden wir hier die Ergebnisse zur Regionalliga Nord veröffentlichen. Diesmal geht’s um die eigenen Eckstöße (Stand: 14. Spieltag)
Die Situation
Der Spitzenreiter (VfB Lübeck) kassierte seine erste Niederlage, und das Schlusslicht (Kickers Emden) gewann nach langer Durststrecke zum zweiten Mal. Am Wochenende unterstrich die Liga mal wieder, was sowieso alle sagen: Jeder kann jeden schlagen. Wenn aber die Spielklasse und ihre Spiele so ausgeglichen sind, dann gewinnen Standardsituationen noch einmal an Bedeutung. Und das gilt insbesondere für die Eckstöße.
Anzahl der Ecken
Sie gibt durchaus einen Hinweis auf die Spielweise der Mannschaften, da viele offensive Aktionen in der Regel auch zu vielen Ecken führen. Zum Stichtag lag Hannover 96 II mit 92 Ecken ganz vorn bei der absoluten Anzahl, gefolgt von Phönix Lübeck und Blau-Weiß Lohne (jeweils 80). Wenig überraschend nahm Regionalliga-Schlusslicht Kickers Emden (33) auch in diesem Ranking den letzten Platz ein, auch der BSV Rehden (49) und Eintracht Norderstedt (51) traten vergleichsweise selten zum Eckstoß an. Die aktuellen Topteams VfB Lübeck (61) und Weiche Flensburg (60) finden sich auch nur im unteren Mittelfeld wieder.
In der Statistik „Ecken pro Spiel“ wird die „absolute“ Rangliste angesichts nicht allzu vieler Nachholspiele nahezu abgebildet. Auffällig ist gleichwohl: Hier liegt Aufsteiger Blau-Weiß Lohne (6,67) sogar ganz vorn – und das überrascht angesichts seines 14. Tabellenplatzes.
Rechts-Links-Verhältnis
Es ist bei den allermeisten Teams natürlich recht ausgeglichen, aber eine gewisse Tendenz zu Ecken von der rechten Seite ist durchaus zu verzeichnen. Recht ausgeprägt bei Kickers Emden (64/36), dem Bremer SV (60/40), Hannover 96 II (60/40), Teutonia Ottensen (59/41) und dem TSV Havelse (59/41). Selbst der 13. des Rankings (BSV Rehden mit 51/49) führte mehr Ecken von der rechten Seite aus. Lediglich zwei Teams (Hildesheim, Jeddeloh) weisen mit jeweils 50 Prozent eine ausgeglichene Bilanz auf, und nur vier Mannschaften verzeichnen mehr Ecken von links. Sie werden angeführt von Eintracht Norderstedt (43/57).
Die Torgefahr
Ecken allein helfen nicht weiter, sie sollten schon auch für Torgefahr sorgten. In dieser Hinsicht darf der VfB Lübeck als beispielgebend gelten. Im Schnitt benötigt der Spitzenreiter lediglich 3,21 Ecken, um eine Torchance zu kreieren. Insofern relativiert sich auch die vergleichsweise geringe Gesamtanzahl - der VfB führt seine Ecken ja offenbar gewinnbringend aus. Auch der HSV II (3,63) nutzt den Standard, um recht viele gefährliche Aktion einzuleiten. Zum Dritten Eintracht Norderstedt (4,64) klafft schon eine gewisse Lücke, der überwiegende Rest der Mannschaften sortiert sich zwischen Werten von 5 bis 8 ein. Dann wird es zweistellig: Der Bremer SV (11,17), Blau-Weiß Lohne (11,43) und erst recht der BSV Rehden (16,33) strahlen ziemlich wenig Torgefahr bei eigenen Ecken aus. Damit lässt sich der gute Wert der Blau-Weißen aus Lohne ebenfalls relativieren: Ihre vergleichsweise vielen Ecken pro Spiel führen recht selten zu Torchancen.
Die Effektivität
Wie viele Ecken benötigt ein Team für einen Torerfolg? Das ist eine spannende Frage, und die Antwort lautet: Keine Mannschaft ist in dieser Hinsicht besser als Kickers Emden. Ausgerechnet das Schlusslicht führt dieses Ranking an, mündet doch jede elfte Ecke in einen Torerfolg. Da die Emder zum Stichtag aber gerade 33 Ecken zu verzeichnen hatten, relativiert sich die Effektivität des Schlusslichts natürlich ein bisschen: Drei Tore nach diesem Standard reichten aus, um den Spitzenplatz einzunehmen. Während daneben auch der HSV II (14,5) als effektiv gelten darf, ist der TSV Havelse als Schlusslicht des Rankings noch mit viel Luft nach oben versehen: Der letztjährige Drittligist hatte zum Stichtag gerade eine Ecke zum Torerfolg genutzt, kam also lediglich auf einen Wert von 79.
(Text: Stefan Freye)