Mittlerweile liegen drei Spieltage hinter den Teilnehmern der Abstiegsrunde, und so richtig vergeben sind nur wenige Rollen. Ganz im Gegenteil: Die meisten Mannschaften warten mit unerwarteten Ergebnissen auf.
Den dritten Sieg im dritten Spiel der Abstiegsrunde feierte Phönix Lübeck (26 Punkte) – damit avanciert das Team um Oliver Zapel mehr und mehr zum Topteam der Staffel. Bemerkenswert: Mit 22 erzielten Toren stellen die Lübecker zugleich die treffsicherste Mannschaft. Allerdings: Phönix hat derzeit noch ein Spiel mehr absolviert als die direkte Konkurrenz an der Spitze, und womöglich ist mit dem knappen 1:0 in Oberneuland ein Trend verbunden: Zuvor hatten der BSV Rehden (4:1) und der SSV Jeddeloh (3:0) noch deutlicher verloren. Der Spitzenreiter ist stark derzeit, unangefochten ist er offenbar noch nicht.
Die SpVgg Drochtersen/Assel (22) sicherte sich angesichts des 1:1 in Lüneburg den vierten Punkt im zweiten Spiel der Abstiegsrunde. Das reicht, um die Teams auf den direkten Abstiegsplätzen um mindestens acht Punkte zu distanzieren. Die Elbstädter halten also Kurs, auch wenn sie sich noch nicht aller Sorgen entledigt haben. Verlassen kann sich die Spielvereinigung dabei auf eine starke Defensive, denn die acht kassierten Treffer markieren den Bestwert der Liga.
Am Wochenende spielfrei war Eintracht Norderstedt (21). Der Tabellendritte hatte sich mit vier Punkten aus zwei Spielen aber bereits gut in die Abstiegsrunde eingeführt. In Norderstedt werden sie allerdings wissen, worauf es in den kommenden Wochen ankommt: Die zumeist recht ordentlichen Leistungen müssen öfter zu drei Punkten führen als in den vergangenen Monaten. Mit sechs Unentschieden gilt die Eintracht derzeit noch als Remis-Königin der Abstiegsrunde.
Ein bisschen nachdenklich dürfte man beim SSV Jeddeloh (19) geworden sein: Denkbar knapp war das Team in die Abstiegsrunde gerutscht, und nun sprang gerade ein Punkt aus drei Spielen heraus. Vor allem das 1:2 gegen den Heider SV am Wochenende gilt als herbe Enttäuschung. Immerhin weiß man beim SSV, dass die angespannte Personalsituation einen großen Anteil am aktuellen Misserfolg trägt – die Qualität des Teams reicht unter normalen Umständen aus, um eine gute Rolle in der Abstiegsrunde zu spielen.
Eigentlich schien auch der FC St. Pauli II (16) in der Lage, sich frühzeitig von den gefährdeten Plätzen abzusetzen. Davon kann nach einem Punkt aus zwei Spielen keine Rede sein, zumal die bisherigen Gegner - FC Oberneuland (1:1) und HSC Hannover (1:2) – nicht zu den Topteams zählen. „Die Enttäuschung bei uns allen ist groß, uns hat die Überzeugung und Entschlossenheit gefehlt, das Tor zu erzwingen", kommentierte Trainer Joachim Philipkowski die Niederlage in Hannover. Er wird seinem Team nun vermutlich nachdrücklich erklären, dass spielerische Qualität allein nicht ausreichen dürfte für eine entspannte Teilnahme an der Abstiegsrunde.
Nach zwei Siegen in Folge befindet sich der BSV Rehden (15) wieder auf einem guten Weg. Die sechs Punkte aus den Spielen beim Heider SV (3:0) und gegen Altona 93 (3:0) haben das 1:4 gegen Phönix Lübeck zum Auftakt der Runde vergessen gemacht und den Tabellensechsten wieder an die oberen Teams herangeführt. Gleichwohl ist der BSV noch immer mittendrin im Kreis der gefährdeten Mannschaften. Angesichts seiner 18 Gegentreffer besteht offenbar auch ein Problem in der Defensive: Die Rehdener kassierten bislang zu viele Tore. Angesichts der zwei 3:0-Erfolge scheint aber auch in diesem Zusammenhang ein guter Anfang gemacht.
Nach drei Spielen noch ungeschlagen ist der Lüneburger SK Hansa (14). Dabei durfte das 1:1 gegen die hoch gewettete SpVgg Drochtersen/Assel am letzten Wochenende durchaus als Erfolg gelten, zumal der LSK sich den Punktgewinn mehr als verdiente. Wer weiß, was dieser eine Zähler am Ende wert sein wird? Für das Selbstvertrauen war das 1:1 vermutlich von großer Bedeutung. Bereits jetzt lässt sich ja festhalten: Der LSK mischt kräftig mit im Rennen um den Klassenerhalt.
Das tat so gut: Beim 2:1 über St. Pauli beendete der HSC Hannover (13) eine Serie von vier sieglosen Spielen. „Wir haben den Kampf angenommen, alles reingehauen und diesen Kampf mit Leidenschaft geführt“, kommentierte Trainer Vural Tasdelen die drei „nicht ganz unverdienten“ Punkte aus dem Heimspiel gegen die Hamburger. Sein Team sendete ein deutliches Lebenszeichen an die Konkurrenz: Auch mit dem HSC ist zu rechnen in den kommenden Wochen.
Den Tabellenneunten Altona 93 (11) erwischte es beim 0:3 in Rehden nach zwei Unentschieden zum Auftakt der Runde. Die Hamburger mussten sich einem stärkeren Gegner geschlagen geben. Sie sind deshalb aber noch lange nicht chancenlos, gerade vier Punkte beträgt der Rückstand zu einem regulären Nichtabstiegsplatz. Das ist machbar. Allerdings muss der AFC dazu wohl noch ein bisschen besser in der Defensive stehen: Die 23 Gegentreffer stellen derzeit den Höchstwert der Abstiegsrunde dar.
Der FC Oberneuland (9) hat geschafft, was er sich vor einigen Wochen vorgenommen hatte: Angesichts des knappen 0:1 gegen Phönix Lübeck ist der Vorletzte unbeschadet aus den Spielen gegen St. Pauli II (1:1), Norderstedt (1:2) und eben Phönix hervorgegangen. Nun stehen die Duelle mit den direkten Konkurrenten aus Heide und Altona an. Dann gilt es für das Team von Daniel Prause. „Das wird die Woche der Wahrheit“, sagt der FCO-Trainer. Chancenlos ist auch sein Team noch lange nicht. Mit zwei Siegen wäre der Anschluss an die Nichtabstiegsplätze vermutlich hergestellt.
Das war mal ein Lebenszeichen: Der Heider SV (8) sicherte sich beim 2:1 in Jeddeloh den ersten Sieg nach zuvor 20 Spielen ohne dreifachen Punktgewinn – den einzigen Saisonsieg hatte er beim 1:0 über St. Pauli II im vergangenen September geholt. „Wir haben heute einfach mal das umgesetzt, was wir uns die letzten Wochen immer vorgenommen haben“, meinte Trainer Markus Wichmann nach „intensiver Trainingsarbeit“ in den Vortagen. Mit anderen Worten: Da ist noch etwas drin für das Schlusslicht. „Die Stimmung war immer oben, es ist nie etwas Negatives gekommen. Wir sind noch enger zusammengerückt und haben es heute auf die Platte gebracht“, so Wichmann. Der Kontakt zur Konkurrenz wurde angesichts er unerwarteten drei Punkte jedenfalls schon mal hergestellt. Nun muss man wohl noch die Defensive in den Griff bekommen: 23 Gegentreffer kassierte sonst nur noch Altona 93.
(Text: Stefan Freye)