Deniz Kadah wurde in der Großstadt Urfa (ca. 498.000 Einwohner) im Südosten der Türkei geboren. Nachdem er früh mit seinen Eltern nach Deutschland gezogen war, begann er seine Fußballerkarriere beim Bremer Vorortverein FC Langwedel. Über den FC Verden 04, den Rotenburger SV, den TuS Heeslingen und den VfB Lübeck kam er zum damaligen Drittligisten Fortuna Düsseldorf, mit dem er 2009/2010 den Sprung in die 2. Bundesliga schaffte. Dort schnupperte er die Luft der großen Fußballbühne, kam aber nur zu zwei Kurzeinsätzen, bevor sein Vertrag aufgelöst wurde und er mehr als sieben Monate vereinslos war. „Ich bin damals in ein Loch gefallen. Als arbeitsloser Profi bist du auf einmal ganz weit weg vom Fußball“, sagt Deniz Kadah.
Kadah fand im Februar 2011 mit dem FC Oberneuland einen neuen Verein. Nach einer kurzzeitigen Rückkehr zum VfB Lübeck unterschrieb Kadah im Sommer einen Profivertrag bei Hannover 96. „Auch wenn ich aktuell nicht zum Bundesliga-Kader gehöre, weiß ich, dass 96-Trainer Mirko Slomka ein Auge auf mich hat. Ich trainiere mit den Profis und konnte mich schon in einigen Testspielen beweisen.“
Krohne: Aus Holland in die Regionalliga Nord
Während Deniz Kadah aus dem Osten (Türkei) und von „oben“ (2. Bundesliga) in die Regionalliga Nord kam, schaffte es sein Konkurrent Rogier Krohne aus der entgegengesetzten Richtung. Der im holländischen Eelde geborene Offensivspieler kam über die niederländischen Klubs FC Groningen und FC Emmen nach Deutschland zum damaligen Oberligisten BV Cloppenburg.
Eine Eingewöhnungszeit benötigte er im „familiären und gemütlichen“ Klub nicht. Schon in seiner ersten Saison erzielte er in 31 Partien 22 Treffer, im zweiten Jahr traf er in 34 Partien 25 Mal. Auch in der abgelaufenen Saison war er mit 14 Toren in 30 Partien maßgeblich am Aufstieg der Cloppenburger beteiligt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es nun in der Regionalliga so weitergeht“, sagt Krohne, der nebenbei eine Ausbildung zum Physiotherapeuten macht.
Privat und fußballerisch ähnliche Typen
Trotz unterschiedlicher Herkunft stehen Kadah und Krohne gleichauf an der Spitze der Torjägerliste und es gibt noch weitere Parallelen. Sowohl Rogier Krohne als auch Deniz Kadah sehen im Rückhalt ihrer Mannschaft einen wichtigen Faktor für ihre Treffsicherheit. „Ich habe das Glück, bei einem Verein zu sein, in dem mir jeder den Rücken stärkt. Das gibt mir die nötigen Prozentpunkte an Leistungsfähigkeit noch oben drauf“, sagt Kadah. Und auch Krohne kann sich auf sein Team verlassen. „Wir sind eine eingeschworene Gruppe. Wir gewinnen und verlieren gemeinsam.“
Auch privat ähneln sich die Torjäger. Abseits des grünen Rasens verbringen beide gern Zeit bei einem Essen mit Freunden oder probieren andere Ballsportarten wie Basketball oder Golf aus. Über die Weihnachtsfeiertage ging es für beide nach Hause zur Familie. Deniz Kadah verbrachte die freie Zeit in Verden, wo er mit seinem Bruder eine Sport- und Cocktailbar besitzt. „Ich stehe aber nicht hinter dem Tresen. Als Barkeeper habe ich zwei linke Hände. Lieber treffe ich alte Freunde und entspanne.“ Danach ging es auf einen Kurztrip mit Freunden in die Schweiz. Rogier Krohne reiste mit seiner Freundin Annemijn zu seiner Familie nach Holland und verbrachte dort die freie Zeit der Winterpause.
Mit dem Rückrundenstart wollen „K&K“ ihren Mannschaften weiter bei der Verwirklichung der Saisonziele helfen. Diese sehen bei den Vereinen der beiden „Serientäter“ unterschiedlich aus. Während der Aufsteiger BV Cloppenburg mit der Vorgabe in die Saison gegangen war, im Rennen um den Klassenverbleib über dem Strich zu bleiben, peilt Deniz Kadah mit der U 23 von Hannover 96 den Aufstieg in die 3. Liga an. Der Rückstand auf Spitzenreiter Holstein Kiel beträgt lediglich drei Punkte.
Cloppenburg und Hannover - Die Torfabriken der Liga
Kadah und Krohne haben großen Anteil daran, dass in den Partien des BV Cloppenburg (4,56) und der Zweitvertretung von Hannover 96 (3,95) im Schnitt die meisten Tore der Regionalliga Nord fallen - bei Cloppenburg sogar die meisten in den ersten vier Ligen deutschlandweit. Die Anzahl der Gegentore gibt jedoch den Ausschlag für die unterschiedliche Tabellensituation. Denn der Tabellenzweite Hannover hat eine Torbilanz von 51:24 - nur drei Mannschaften (TSV Havelse/13, VfL Wolfsburg II/14, Holstein Kiel/19) kassierten weniger Tore.
Cloppenburg (38:44) hat fast doppelt so viele Gegentreffer bekommen und überwintert auf dem elften Rang. „Die Kehrseite unseres offensiv ausgelegten Spiels ist, dass wir viel zu viele einfache Tore bekommen“, so Krohne. „Wir machen zwar nicht mehr Fehler als in der Oberliga. Sie werden in der Regionalliga aber fast allesamt eiskalt bestraft.“
Beide Stürmer wollen eine Liga höher
Bei der Frage nach ihren mittelfristigen Zielen richtet sich der Blick der beiden Stürmer nach oben. „Ich bin bei meinen Einsätzen in der 2. und 3. Liga auf den Geschmack gekommen und will unbedingt noch einmal in die großen Arenen des Profifußballs“, sagt Deniz Kadah und klingt dabei ähnlich wie Rogier Krohne, der „noch einmal mindestens eine Liga höher spielen“ will.
Am 28. Spieltag (Anfang April) treffen Kadah und Krohne wieder aufeinander, wenn Hannover 96 II in Cloppenburg antritt. Im Hinspiel in der niedersächsischen Landeshauptstadt schlugen „K&K“ je einmal zu. Hannover gewann 5:2.
(mspw)